Erotik – Sexualität - Gewalt …… in der Kunst

Es gibt viele Künstler die sich mit diesem Zweig der Kunst auseinander setzen.

29. Juli 2008
Erotik – Sexualität - Gewalt …… in der Kunst

Es gibt viele Künstler die sich mit diesem Zweig der Kunst auseinander setzen. Gerade diese Kunstrichtung schafft aber immer wieder kontroverse Diskussionen in der Bevölkerung. Die einen finden sie bereichernd, die anderen sagen solch ein „Dreck“ hat in der Kunst nichts verloren.
Wie geht ihr damit um? Wo sind eure Grenzen. Bitte spart nicht mit heftiger Kritik, sagt offen und ehrlich eure Meinung.

Mein erstes Bild zu dieser Thematik, mit dem Titel "Der Wichser"


lg michael
29. Juli 2008
@Painter

Eine Frage vorweg:

Erotik.. in der Kunst.
Sexualität .. in der Kunst.
Gewalt .. in der Kunst.

Jedes für sich betrachtet oder wenn alle drei Komponenten sich (in einem Kunstwerk) verbinden?

Florestine
29. Juli 2008
@florestine

Jeder Begriff für sich bietet in der Verschiedenartigkeit der persönlichen Auslegung genug Zündstoff für sich. In der Kombination aller drei Begriffe ist das Ausmaß der Irritation fast grenzenlos.

Auch im Bild "der Wichser" steckt eine gehörige Portion an autoagressiver Gewalt.

Hand habt es einfach so wie es ein jeder empfindet.

lg michael
29. Juli 2008
Spanndend..

...ist das Thema und ich suche gerade in meiner Erinnerung, was ich dazu gesehen habe. Bin an sich sehr weit informiert im Bereich KUNST *zwinker*

Also:
dokumenta 12 in Kassel.
Viel Sexualität und Erotik und auch Gewalt in den Bildern und Videoarbeiten. Einiges soagr skandalträchtig!

z.B.Juan Davila - deftig gemalter schwuler Sex

oder
die feinen Stickereien mit Haaren im Fridericianum - Einblicke in den Schoß einer Frau

und noch vieles mehr.
Und nicht alles erotisch, aber sehr körperbetont, sexuell und gewalt- ig.

LG Allegra51
29. Juli 2008
@Allegra51

Danke für deinen sehr kompetenten Beitrag.
Da es aber hier nur sehr schwer ist über nicht sichtbare Kunstbeiträge zu diskutieren würde ich mir von dir wünschen, wie ergeht es dir mit meinem Bild, was löst es in dir aus. Wie empfindest du es? Macht es dich betroffen oder stimmuliert es dich, oder findest es du belanglos, nicht ansprechend?

lg michael
29. Juli 2008
Hallo, Painter,

mein erster Blick:

mmhh, erst mal nicht mein Thema!

zweiter Blick: du hast ja genügend Interpretationskenntnisse, also geh mal ran!

dritter Blick: obwohl alles nur schemenhaft zu erkennen ist, ein ungeheuer starker Ausdruck des persönlichen Empfindens des Dargestellten

(jetzt muss ich wieder schauen)

wie hast Du das geschafft? Mit der Körperhaltung?! Entspannung gepaart mit viel Anspannung?! Mit Deinem Pinselstrich?! Aggressiv!

Mit der Wahl der Farben Schwarz-Weiß-Schattierungen!


(Jetzt fehlt mir der Austausch mit anderen. Es macht Spaß, einfach seinen Gedanken so freien Lauf zu lassen)


...ein völlig unreflektierter erster Eindruck.....



Christine
29. Juli 2008
@amoureux79

(Jetzt fehlt mir der Austausch mit anderen. Es macht Spaß, einfach seinen Gedanken so freien Lauf zu lassen)

Ja du lässt dich ein, du spürst in dir nach! wunderbar.
Hoffentlich beteiligen sie noch einige so intensiv wie du.

Danke für deine Aufmerksamkeit!

lg michael
29. Juli 2008
Ich sehe in dem Bild...

...weder Aggression noch Gewalt - vielmehr überkommt mich ein Gefühl unendlicher Leere, Einsamkeit und Resonanzlosigkeit. Nicht einmal mehr Verzweiflung ist da noch für mich spürbar - Verzweiflung bedeutet doch immer noch die Sicht auf das Positive zu haben, auch wenn es für einen persönlich unerreichbar scheint.

Für den Wichser wird die autoerotische Handlung zu einem kurzen Aufflammen von Erinnerungen - die nach dem Höhepunkt in sich zusammenfallen in einem schwarzen Loch der Beziehungslosigkeit, denn mit der Beziehung zu anderen ist ihm die Beziehung zu sich selbst verloren gegangen.

Ein trauriges, schmerzvolles Bild.

Viele Grüße
Angelika
29. Juli 2008
@Painter, @Amoureux

wie ergeht es dir mit meinem Bild, was löst es in dir aus. Wie empfindest du es? Macht es dich betroffen oder stimmuliert es dich, oder findest es du belanglos, nicht ansprechend?

Zum Titel. Ich bin etwas irritiert. Bei der Wortwahl "Wichser" erwarte ich etwas anderes als bei z.B. "Selbstliebender" oder "Fantasien im Nebel allein" oder "Der sich Selbstbefriedigende" (ausserdem wären das irgendwie blöde Titel, nicht wahr?)

"Wichser" läßt etwas abfälliges mitschwingen, der an Druckabbau, kalte, gefühllose Triebhaftigkeit denken läßt, oder Versager. Ich assoziiere auch repetierhaftes Hin- und Herbewegen mit wichsen.

Daher finde ich von Titel her gesehen keine rechte Verbindung zu Deinem Bild. Der klassische "Wichser" (in meiner Vorstellung): Der, der in der Peepshow sich einen runterholt. Schnell, schmuddelig.

Dein Bild des masturbierenden Mannes hat für mich nichts eines "Wichsers". Da liegt einer entspannt, zurückgelehnt, (etwas selbstvergessen? den Kopf in den Wolken?), sich seinem Gefühl hingegeben, die Hand nicht am Schwanz (an den Hoden?). Danach?

Autoaggressive Gewalt? Hm... Weiß nicht, wo ich die Gewalt sehen sollte? Er liegt sehr entspannt. Gewalt im Kopf? Durch helle Nebelschwaden symbolisiert? Nein. Sehe ich auch nicht.

Die harten, schwarzen Striche (die ja bis zum Schwanz reichen) passen dann eher zu "wichsen".

Interessant finde ich die Nebenschwaden (Fantasien?) um den Kopf herum.

Kontrast schwarz/weiß, gewischte Flächen vs. harte (Kohle?)Striche... zwischen Kopf/Fantasie und Schwanz?

Der Boden der Tatsachen ist schwarz und hart? Masturbation ist immer = Wichsen? Inakzeptanz in der Gesellschaft? Auch wenn´s oben schön ist (Kopf, Fanatsie), ist es unten rum "wichsen"? Ich frage mich, welche Einstellung hat der Künstler zum Masturbieren, dass er einem solchen Bild solch einen Titel gibt.

Erotisch finde ich das Bild nicht. Würde ich das Bild in einer Zeitschrift sehen, würde ich weiterblättern. Hier bleibe ich, weil mich interessiert, was DU, Painter, mit Deinem Bild zum Ausdruck bringen möchtest. (Ich mag Eure Serie "7 Todsünden" z.B. unglaublich gerne!!! Eure Interpretation, Umsetzung finde ich sehr gelungen! Jemand, der mich schon einmal beeindruckt hat, interessiert mich eben.)

LG
Florestine



@Amoureux
Spannung/Entspannung. Das einzig angespannte im Bild ist der erigierte Schwanz.

Siehst Du darin eine "Aussage"?

dritter Blick: obwohl alles nur schemenhaft zu erkennen ist, ein ungeheuer starker Ausdruck des persönlichen Empfindens des Dargestellten

Was denkst Du, fühlt, denkt er (der Mann im Bild)? Was denkst Du, will der Künstler aussagen?

LG
Florestine
29. Juli 2008
so!

Nun habe ich mir ein Wordfenster geöffnet und Dein Bild daneben geschoben und schreibe, was ich schreiben möchte.


Der Wichser

Auf einem Bett , leicht schräg und asymmetrisch, liegt, auf den ersten Blick entspannt, auf den zweiten angespannt, ein Mann. Sein Alter ist nicht erkennbar. Er ist nackt hingestreckt, ein Arm abgewinkelt, der andere am Körper entlang, Er endet zwischen den Beinen, die Hand ist nicht erkennbar, sie umschließt den Sack des Mannes. Beim Verfolgen der Armlinie fällt mein Blick auf den großen, heller gestalteten Penis, der sich leicht aus der Körperachse nach rechts legt., zur Achselhöhle hin. Seine große Lust ist an dem Ausmaß erkennbar und an der Hingabe des gesamten Körperschemas. Auffällig der Kopf mit seine dem Penis abgewandten Blickrichtung. ..ein Kopf ohne Hals? Oder legt der Kopf lustvoll so weit nach hinten , gebeugt, dass nur noch Kinn und Nasenflügel erkennbar sind? Ja, das wohl eher.
Die Linienführung des Kreide (?) ist der Wichsbewegung angepasst. sehr linear , immer und immer wieder in eine Richtung. Nach oben hin wird sie verschwommen und deutlich heller – sie schmiegt sich fast zwischen Arm und Kopf, legt sich wie eine schützende Glasglocke über den Mann, über Kopf und Arme.
Darüber wird die Zeichnung unruhiger und auch die Linienführung ist runder, so als ob die der Glasglocke entweichen möchte – so wie es der Samenerguss als Höhepunkt der ganzen Aktion auch tut. Entweichen, nach außen offen, linear und abgeben....schwarz , weiß, entweder oder, alles oder nichts!
Ja, das Bild ist für mich erotisch und ich schaue es mir gerne an. Ich finde es nicht aggressiv. Aber ich spüre, dass es von einem Mann gemalt wurde.

Und so wäre es für eine Frau, mit Worten von einer Frau gemalt:
Ganz auf dem Bett ausgestreckt, Beine weit geöffnet – Hände an Brust und zwischen den Beinen, weiche runde Linienführung, Kreise, Spiralen, Wellen, nach innen gerichtet, sanfte Braun- und Rottöne, sicher der Beckenraum im Zentrum des Bildes, all umschließend, aufnehmend, innig, zentriert und lang anhaltende end- und anfangslose Linienführung.
Ach, es wäre toll, wenn das jemand malen könnte....
29. Juli 2008
@Youwillfindme

Interessanter Ansatz...

Wodurch bekommst Du den Eindruck von Leere, Einsamkeit? Durch den Titel oder durch das Bild selbst? Welche Komponente sind das?

Das schwarze Loch der Beziehungslosigkeit und Wichser... Eben weil wichsen nicht gleich masturbieren ist?

LG
Flo
29. Juli 2008
Hi, @florestine...

...jetzt, da Du fragst, bemerke ich, dass ich gar nicht darauf geachtet habe, was genau in dem Bild dieses Gefühl in mir auslöste.

Den Gesichtsausdruck des Mannes kann ich ja nicht sehen und die Körperhaltung ist tatsächlich entspannt.
Vielleicht ist es das Schwarze, das in mir die Stimmung erzeugt hat - die gleiche Zeichnung in rot oder gelb gehalten, hätte vielleicht eine andere Stimmung in mir ausgelöst. Sein rechter Arm macht eine suchende Bewegung neben sich - niemand ist da. - Eine Interpretation, die meinem Hirn entsprungen ist - eine Konstruktion, eine Projektion - nicht mehr. Die gleiche Bewegung in rot hätte ich vielleicht anders interpretiert - er ist erregt und krallt die Hand in seiner Leidenschaft in das Betttuch.

Aber die dominierende Farbe ist ja schwarz.

Viele Grüße
Angelika
29. Juli 2008
sind denn erotik, sexualität und gewalt (letztere

vor allem dann, wenn sie nicht gegen den willen desjenigen erfolgt, gegen den sie sie richtet, sondern vielleicht sogar auf dessen ausdrücklichen wunsch!) wirklich so disparate themen oder ist es nicht so, dass diese begriffe für viele das gleiche oder zumindest sehr ähnliches beeinhalten können und nur deren verwendung unterschiedlich praktiziert wird, abhängig davon wer etwas sagt oder ausdrücken will.

auf jeden fall sind die grenzen immer absolut individuell und sehr fließend! auf der basis von zustimmender bzw. gewünschter gewaltanwendung ist auch nichts verwerfliches darin zu sehen, den von allen gleichermaßen begehrten kick von maximaler lusterfüllung und triebbefriedigung sich auf diese weise zu erlangen.

chacun à son goût! das sollte doch vor allem hier auch im joyclub gelten!

abstrakte begriffe wie sexualität, erotik und gewalt mit bildnerischen mitteln darzustellen, ist ja bekanntlich alles andere als einfach, ja fast sogar unmöglich!

durch die entsprechende wahl u. a. von farben und formen können zwar auch in abstrakter weise gefühlslagen, wie besonnenheit, ruhe, ausgeglichenheit, entspannung und entsprechend auch das gegenteil wie dynamik, spannung(en), chaos, hektik halbwegs adäquat bildnerisch ausgedrückt werden, aber auch hier sind die eigenen, inneren bilder letztlich immer für das subjektive erleben entscheidend, wenn der betrachter bereit ist, sich auf ein kunstwerk real einzulassen und mit diesem in einen stummen inneren dialog kunstwerk einzutreten.

ein profikünstler kann ohne weiteres ein konkretes geschehen, wie z. b. den vollzug eines geschlechtsakts oder - wie unser geschätzter painter hier - einen wichsenden mann darstellen. all dies ist aber heute auch in der kunst keine tabuverletzung mehr, über die man(n oder frau) sich noch aufregt oder bei der ein staatsanwalt bemüht wird, wie noch im jahre 1962 als das bild "die große nacht im eimer" von georg baselitz, das einen erigierten überdimensionalen penis zeigte, auf richterliche anordnung aus einer ausstellung entfernt wurde!

tempi passati!

gott-sei-dank!

wir sind jetzt sehr gespannt auf weitere beiträge und hoffen auch, dass die noch irgendwo bei irgendwem ganz bestimmt noch in den schubladen oder anderswo ruhenden erotischen illustrationen auch hier sehr bald zu sehen sein werden.

alles klar?

alt-/neu-gierige grüße aus der hauptstadt von w+h
29. Juli 2008
Das Bild zeigt für mich.....

Einsamkeit, der Griff nach der Leere neben sich.

Es kommt so etwas wie Resignation auf und erinnert mich

ganz spontan eigenartigerweise an eine Ausstellung von "Kunst im Knast" im Jahre 2001

Dort sah ich ähnliche Bilder,

und las einen nachdenklich stimmenden Text:

In jedem Traftäter steckt etwas von einem Künstler.

und in jedem Künstler steckt etwas von einem Straftäter.

Gemein ist Ihnen der Widerstand,

die Marginalität, des Leidens.


Liebe grüße

Marlis
29. Juli 2008
Die eigenen, inneren Bilder...

...die beim Betrachten eines Kunstwerks ausgelöst werden, @Padrona_H - genau das ist es, was mir die Kunst schenken kann - die Auseinandersetzung mit mir selber.

Sicher ist es auch spannend, zu erfahren, was sich der Künstler beim Erschaffen gedacht hat und welche Empfindungen er in sein Werk gelegt hat. Das Ziel einer solchen Frage ist jedoch für mich, den Menschen dahinter kennen zu lernen und nicht das Kunstwerk (richtig?) zu interpretieren. Es gibt mir nur in seltenen Fällen etwas, seine Intention verstehen zu wollen - außer, wenn ich den Künstler persönlich kenne oder einfach mehr von ihm wissen will, auch wenn er schon lange tot ist und ich ihn nicht mehr fragen kann.

Das ist das Wundervolle am künstlerischen Ausdruck, wenn es gelingt, in den Menschen etwas zu berühren und zum Klingen zu bringen. Vielen Dank an dieser Stelle dem Künstler.

Viele Grüße
Angelika

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